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Markgräfliches Opernhaus


"Dieser Tage habe ich das neue Opernhaus besichtigt. Ich war sehr erfreut darüber. Das Innere ist fast vollendet. Bibiena hat in diesem Theater die Quintessenz des italienischen und französischen Stils vereinigt. Man muss zugeben, dass er in seinem Fach ein unübertroffener Meister ist."

 

 

Bild: Markgräfliches Opernhaus, Blick zur Fürstenloge

Markgräfliches Opernhaus, Blick zur Fürstenloge

 

 

Aus diesen Zeilen, die die Markgräfin Wilhelmine am 14. Mai 1748 an ihren Bruder Friedrich den Großen richtete, geht nur andeutungsweise hervor, wie sehr Wilhelmine von dem kurz vor Fertigstellung stehenden Opernhaus beeindruckt gewesen sein musste. Der Stolz der Markgräfin wird verständlich, wenn man sich vor Augen führt, unter welchen Voraussetzungen der Bau begonnen wurde. In einer kleinen Residenzstadt fern der europäischen Zentren und Handelswege sollte eines der glänzendsten Opernhäuser entstehen. Das hatten sich Wilhelmine und ihr Gatte Friedrich in den Kopf gesetzt. In der überraschend kurzen Bauzeit von nur vier Jahren haben sie diesen Traum, den eigentlich ein jeder als unrealisierbar hätte ansehen müssen, verwirklicht.

 

Bild: Fassade des Opernhauses

Fassade des Opernhauses

1743 empfand man endgültig die vorhandenen Spielstätten als so mangelhaft und repräsentativen Ansprüchen nicht mehr genügend, dass Wilhelmine im November ihrem Bruder nach Berlin schrieb und Pläne seines Opernhauses "Unter den Linden" erbat, das der Hofbaumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff soeben vollendet hatte. Doch Wilhelmine entschied sich anders und beauftragte den Bayreuther Hofarchitekten Joseph Saint-Pierre, das Gebäude mit der strengen Fassade zu errichten, sowie Giuseppe Galli Bibiena und seinen Sohn Carlo, den Innenausbau durchzuführen. Der Innenraum ist in dem ernsten italienischen Barockstil gehalten, der für diese genialen Theaterarchitekten charakteristisch war und der sich so sehr von dem heiteren Bayreuther Rokoko unterscheidet.

Ähnlich wie beim Alten Schloss Eremitage erschließt sich auch die architektonische und dekorative Struktur des Markgräflichen Opernhauses nur, wenn man es wie seinerzeit das Markgrafenpaar anlässlich einer Opernaufführung betritt.

 

Bild: Foyer

Foyer des Markgräflichen Opernhauses

Hoheitsvoll empfängt einen die klassizistische Fassade, die mit ihren Säulen an einen antiken Tempel erinnert. Von dem Balkon begrüßten einst Trompetenbläser und Paukenspieler das Herrscherpaar. Entgegen der Verheißung eines entsprechend prunkvollen Inneren gelangt man zunächst in ein geducktes, schmuckloses Vestibül.

Von dort führt der Weg in ein Foyer, das sich überraschend über drei Stockwerke steil nach oben öffnet. Seitlich ragen je drei Brüstungen auf, regelrechte Zuschauerränge, von denen das Eintreten des Fürstenpaares wie auf einer Bühne beobachtet wurde. Aber noch ist man nicht im Zuschauerraum. Dorthin führt ein eigenartig enger, ganz schmuckloser und dunkler Gang. Wer ihn durchschritten und den Zuschauerraum betreten hat, ist gewissermaßen in das Reich der Poesie aufgenommen. Von der realen Welt ausgegrenzt, wird eine Kunstwelt als Wirklichkeit vorgeführt.

 

 

Bild: Blick auf die Bühne des Markgräflichen Opernhauses

Blick auf die Bühne des Markgräflichen Opernhauses


Alles ist real und irreal zugleich. Wenn die Bühne mit den Prospekten dekoriert war, verband sich das Auditorium mit ihr zu einem unendlich weitläufigen Herrscherpalast.

 

Bild: Ausschnitt aus dem Deckengemälde mit Apollo

Ausschnitt aus dem Deckengemälde
mit Apoll

Engel und Putten schweben durch die Lüfte, lebendige Gesichter blicken den Betrachter aus den Verzierungen an, die Decke ist geöffnet und das Gemälde dort gibt den Blick auf Apoll und sein Gefolge frei. Soeben sind sie auf einer Wolke eingetroffen, um hier, im markgräflichen Bayreuth, eine neue Heimat zu finden.

Äußerer Anlass für den Bau des Opernhauses war 1744 die Verlobung des Herzogs Carl Eugen von Württemberg mit Wilhelmines und Friedrichs Tochter Elisabeth Friederike Sophie, die damals gerade zwölf Jahre alt war. Eingeweiht wurde das noch nicht ganz fertig gestellte Gebäude dann im September 1748 anläßlich der Hochzeitsfeierlichkeiten mit Aufführungen der Opern "Il trionfo d'Ezio" und "Artaxerxes". Das Libretto zu Letzterer verfasste Wilhelmine höchstpersönlich. Es war das glanzvollste Fest, das jemals in dem Fürstentum gefeiert wurde.

Das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth ist seit November 2007 Teil der Deutschlandroute der "Europastraße Historische Theater"
(www.perspectiv-online.org).

 

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