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Eremitage

Rundgang durch das Alte Schloss

 

Die ursprüngliche Bestimmung als Ort geistiger Läuterung spiegelt sich im ganz und gar außergewöhnlichen Zugang zum Schloss wider. Nähert man sich diesem auf dem alten Zufahrtsweg, tritt einem das Gebäude zunächst mit einer Front roher Tuffsteinquader entgegen, die den Anschein einer naturwüchsigen Felskulisse erwecken.

 

 

Bild: Grottenfassade des Alten Schlosses

 

 

Entgegen jeder Gewohnheit, ein Schloss zu betreten, schreitet der Besucher im Alten Schloss Eremitage keine repräsentative Treppe empor, sondern sieht sich gezwungen, in einen finsteren Gang unterhalb der Treppenanlage hinabzusteigen. Nach dem Durchschreiten des düsteren Gangs ändert sich der Raumeindruck schlagartig.

Bild: GrotteEs öffnet sich der hohe kuppelüberwölbte Zentralraum der Grotte, deren Wände zur Gänze mit Glasschlacken verkleidet sind. Die aus Muscheln gebildeten Fabelwesen – als Material wurden heimische Flussmuscheln verwendet – machen deutlich, dass es sich um einen einzigartigen Grottenraum handelt.

Hier beeindruckte der Fürst seine Gäste mit Wasserspielen. Das größtenteils original erhaltene Leitungssystem erlaubt es, Wasser in unterschiedlicher Stärke aus nahezu 200 im Boden verborgenen Düsen zu spritzen.

Aus der Grotte führt eine Treppe zum Innenhof empor, der nach umfassenden Restaurierungsmaßnahmen heute wieder weitgehend den Zustand der Eremitage zur Zeit Georg Wilhelms zeigt. Das schon beim Eingang in den Grottenraum bemerkte Spiel mit gegensätzlichen architektonischen Elementen zeichnet auch die Gestaltung des Innenhofes aus. Während drei Seiten durch die Verkleidung mit rohen Tuffsteinquadern das naturhafte Erscheinungsbild des Außenbaus kopieren, hebt sich davon das fein gearbeitete Mauerwerk des Festsaals an der Schmalseite des Hofes ab.

 

Bild: Innenhof, Blick zum Festsaalbau

 

 

Schauplatz des Eremitenspiels waren die zwei seitlichen Flügel zwischen Grottenbau und Festsaal, denen jeweils ein aus rohen Felssteinen und einem Laubendach konstruierter Gang vorgelagert war. In jedem der Flügel fanden vier kleine Eremitenzellen Platz, die einen spartanisch eingerichteten Aufenthaltsraum mit Ofen und ein Vorzimmer umfassten.

Nach Verlassen der Eremitenwohnungen gelangt der Besucher in jenen Teil des Schlosses, dessen Erscheinungsbild entscheidend durch die Umbauten der Markgräfin Wilhelmine geprägt wurde. Mit dem Übergang in ihren Besitz verlor das Gebäude seine ursprüngliche Funktion als Eremitenklause. Wilhelmine verwandelte es unter Beibehaltung von Festsaal, Grotte und Innenhof in eine repräsentative Sommerresidenz. Dazu ließ sie ab 1736 dem ursprünglichen Festsaaltrakt an beiden Enden jeweils einen Pavillon mit fünf Räumen anfügen und die zwischen Festsaal und Anbauten gelegenen Zimmer grundlegend überarbeiten.

Gemäß den Normen barocker Schlossarchitektur wurden die Appartements von Markgraf und Markgräfin auf zwei gegenüberliegende Flügel verteilt. Die Zimmer im westlichen Flügel des Schlosses, dem sogenannten Herrenflügel, waren dem Markgrafen vorbehalten. Im Unterschied zu dem von Wilhelmine selbst bewohnten Appartement im Osttrakt wurde seine Raumausstattung nur zum Teil fertiggestellt. Bei der Restaurierung der Eremitage wurde dieser Umstand – der sich aus den alten Inventaren und den Memoiren Wilhelmines rekonstruieren ließ – berücksichtigt.

Bild: Vorzimmer des MarkgrafenDas Vorzimmer des Herrenflügels war ursprünglich mit Stofftapeten verkleidet, die mit Szenen aus dem Leben Alexanders des Großen bemalt waren. Diese Wandbespannung hat sich nicht erhalten. Heute sind die Wände mit blauen Hussen verhangen. Solche Schutzabdeckungen wurden zur Zeit Wilhelmines immer dann benutzt, wenn das Appartement nicht bewohnt war. An die bemalte Tapete unter den Hussen erinnert der Ausschnitt eines Stichs. Er zeigt die Begnadigung des indischen Königs Poros durch Alexander den Großen.

Bild: Audienzzimmer des MarkgrafenDas folgende Audienzzimmer bildet den Mittelpunkt des markgräflichen Appartements. Auf dem erhaltenen Deckengemälde von Wilhelm Ernst Wunder ist der Perserkönig Artaxerxes zu sehen, der Themistokles, den erfolgreichen athenischen Feldherrn, empfängt, nachdem ihn die eigenen Landsleute aus der Heimatstadt verwiesen hatten.

Das Bild ist typisch für Wilhelmines eigenwillige Auswahl nur selten dargestellter antiker Themen zur Dekoration der von ihr eingerichteten Räume der Eremitage. Mit Vorliebe kreisen diese um den Themenkomplex des Exils – als Exil empfand Wilhelmine ihre Heirat ins provinzielle Bayreuth.

Bild: Eckzimmer des Markgrafen

Eckzimmer des Markgrafen

Nicht mehr original aus der Zeit Wilhelmines erhalten ist das Eckzimmer, das sich heute als Kabinett im klassizistischen Stil um 1800 präsentiert.

Der auf das Eckzimmer folgende Gartensaal sollte ursprünglich als Porzellankabinett dienen. Um 1750 wurde sein Deckenbild durch außergewöhnlich kunstvolle Stuckaturen von Jean Baptiste Pedrozzi ersetzt. Die Parkszenen und Wasserspiele, die fantasievolle chinoise Mischwesen beleben, gehören zum Besten, was an Stuckdekor im Rokoko geschaffen wurde.

Bild: Schlafzimmer des MarkgrafenDurch einen Nebenraum, dessen Wände ursprünglich mit 900 Stichen verziert waren, gelangt man in das Schlafzimmer des Markgrafen. Entsprechend der Funktion des Raumes als Schlafgemach wird dort der fruchtbringende Westwind Zephyr verherrlicht. Nicht erhalten haben sich das Bett und der überaus kostbare Stoff der Wandbespannung.

Der Marmorsaal, der Festsaal des Alten Schlosses, liegt in der Mitte zwischen dem Flügel des Markgrafen und jenem der Markgräfin. Sein Dekor wurde durch die Neugestaltung des Schlosses unter Wilhelmine kaum verändert und entspricht noch ganz der Erbauungszeit. Die Wände sind mit einheimischem Marmor verkleidet.

 

Bild: Marmorsaal

 

 

Gemäß der ursprünglichen Funktion des Schlosses als Eremitage ist der Ordensstern des unter Georg Wilhelm gegründeten Bayreuther Hausordens »Ordre de la Sincérité« Leitmotiv der Dekoration. Er tritt als Muster des Deckenstucks auf, ist überdies in den vier Eckkartuschen dargestellt, und auch die Brandenburger Adler über den Musikemporen tragen ihn. Das Deckengemälde von Gabriel Schreyer stellt den Sonnengott Apollo als Allegorie des absoluten Herrschertums dar.

Stärker als im Flügel des Markgrafen wird in den von Wilhelmine selbst bewohnten Zimmern auf die Bauherrin verwiesen. So sind über den drei Türen des Vorzimmers der Markgräfin Kartuschen mit ihren Initialen SFW (Sophie Friederike Wilhelmine) angebracht. Auch das ungewöhnliche Schwarz des Stuckmarmors und das Silber der Stuckierung verweisen als die heraldischen preußischen Farben auf die Hausherrin. Das Motiv des Deckengemäldes ist eine Anspielung auf die tugendhafte Opferbereitschaft, die Wilhelmine für sich reklamierte. Es zeigt die römischen Frauen, die zum Wohle des Staates – um Plünderungen zu verhindern – freiwillig Schmuck und Geld den Feinden preisgeben.

 

Bild: Deckenge,mälde im Audienzzimmer

Deckengemälde im Audienzzimmer der Markgräfin (Detail)

 

 

Das qualitätvollste Deckengemälde der Eremitage hat sich im Audienzzimmer der Markgräfin erhalten. Das Bild spielt mit der Geschichte von Chilonis und Kleombrotos auf Wilhelmines eigenes Schicksal an: Chilonis folgt ihrem Gatten Kleombrotos, der sich mit ihrem Vater Leonidas überworfen hatte, ins Exil – ganz so wie Wilhelmine auf Wunsch des Vaters den Bayreuther Markgraf Friedrich ehelichte und nach ihrem Verständnis damit das Exil zum Wohl des Staates akzeptierte. Dass mit der Darstellung tatsächlich Wilhelmine gemeint ist, wird nicht zuletzt dadurch bewiesen, dass zu Füßen von Chilonis Wilhelmines Hündchen Folichon abgebildet ist.

Wilhelmine war indes nicht der Mensch, der in einer solchen Situation resignierte. Genau das Gegenteil war der Fall, denn die Markgräfin hatte sich zum Ziel gesetzt, aus ihrem Bayreuther Hof ein irdisches Paradies zu machen. Dieses wird im folgenden Japanischen Kabinett präsentiert. Auf das dramatische Geschehen im Audienzzimmer folgt hier fernöstliche Heiterkeit.

 

 

Bild: Japanisches Kabinett

Die Wände sind mit asiatischen Lacktafeln verkleidet, auf denen alle Facetten des glücklichen Lebens an einem chinesischen Fürstenhof geschildert sind, wie man es sich in Europa vorstellte. Ausgangspunkt des Dekors waren zwei originale ostasiatische Tafeln mit lackierten Flachreliefs, die Friedrich der Große seiner Schwester schenkte.

Wie sehr sich die Markgräfin – entsprechend der aufgeklärten Philosophie des 18. Jahrhunderts –  mit China als Ideal eines wohlgeordneten, auf Basis der Vernunft verwalteten Staatswesens identifizierte, demonstriert das Deckenbild des Japanischen Kabinetts. Die Gesichtszüge der dort unter einem Schirm thronenden Kaiserin von China sind unverkennbar jene Wilhelmines.

 

 

Bild: Musikzimmer

Wilhelmines Musikzimmer gehört zu den Höhepunkten der höfischen Raumkunst des Rokoko. In der Auffassung von der Antike bis in jene Zeit war Musik das Symbol göttlicher und kosmischer Harmonie. Der Deckenstuck stellt das Generalthema des Raumes vor. Zu sehen ist Orpheus, der mythische Sänger, dessen Saitenspiel die wilden Tiere so bezaubert, dass sie friedlich zu Seiten ihrer eigentlichen Jagdbeute lagern. Dieses Thema nimmt der Dekor der Wände auf. Hier wird die stuckierte Darstellung von unterschiedlichen Musikinstrumenten mit Bildern von Freundinnen und Vertrauten der Markgräfin verbunden. Dies soll veranschaulichen, dass eine musikalische Gesinnung zur höchsten Form menschlichen Zusammenlebens führt, zur wahren Freundschaft.

Ein weiteres Prunkzimmer ist das Chinesische Spiegelkabinett, das außerhalb des eigentlichen Repräsentationsbereichs gelegen ist. Das Besondere an diesem intimen Raum sind unregelmäßig geschnittene und unterschiedlich große Spiegel, die in willkürlicher Anordnung – also dem traditionellen europäischen Geschmack absolut widersprechend – die Wände bedecken und so die Vorstellung des Ruinösen und Fragmentarischen erzeugen. Die unregelmäßigen Formen sind als Metapher für die Natur gedacht, die einen Gegenentwurf zur streng geordneten feudalen Sphäre darstellt.

 

 

Bild: Spiegelkabinett

 

 

Auf diese bedeutende Raumflucht folgen nun einige einfacher eingerichtete Zimmer, darunter das Schreibkabinett und das Schlafzimmer der Markgräfin, bis man schließlich am Ende des Rundgangs zur Küche mit einem funktionierenden Ofen aus dem 19. Jahrhundert gelangt.

 

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